Moldova-Institut Leipzig e. V.                                                                                                                                                                                                                          Ritterstraße 24, D-04109 Leipzig                 T: +49 (3 41) 9 73 34 97                 F: +49 (3 41) 9 73 02 49              E: moldova@rz.uni-leipzig.de

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Gesellschaft und Geschichte

Mehr als zwei Jahrzehnte nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion führen Debatten über die Vergangenheit noch immer zu Irritationen und politischen Konflikten sowohl im zwischenstaatlichen Verhältnis zwischen der Moldova, der Ukraine und Russland oder zwischen Armenien und seinen Nachbarn als auch innerhalb dieser Länder. Ein wesentlicher Grund hierfür liegt in der Formierung und dem stetigen Wandel von Erinnerungskulturen und Geschichtspolitik. Diese werden von Akteuren im lokalen, nationalen und transnationalen Kontext jeweils konkret ausgehandelt, wobei es nicht selten zu Diskussionen, heftigen Kontroversen und Konflikten über die Interpretation einzelner Ereignisse und/oder Erinnerungsorte, aber auch ganzer sowjetischer Regime kommt. In einer Vielzahl von medialen Arenen wird um Geschichte und Vergangenheit in den o.g. Ländern heftig gestritten.

Erinnerung ist ein heißes öffentliches Thema in den Ländern der Östlichen Partnerschaft. Seit der Unabhängigkeit wird die Vergangenheit neu gedeutet, wird die nationale Erinnerung wiederentdeckt und sichtbar gemacht. Seit 2010 gilt in der Republik Moldau eine zunehmende Aufmerksamkeit den Erzählungen von Deportierten und Opfern des stalinistischen Regimes. Die Geschichtsforschung untersucht und rekonstruiert dieses lange Zeit tabuisierte Thema. Vor allem über die Folgen des des Hitler-Stalin Paktes von 1940 -  Befreiung oder Besatzung? - gehen die Ansichten weit auseinander. Welche Auswirkungen die Vergangenheit auf das Selbstverständnis in der Gegenwart und auf die Vorstellungen für die Zukunft hat, ist eine immer wieder diskutierte Frage.

Unsere Projekte fragen danach, wie sich Lehrende und Studierende die in der Geschichtsschreibung angebotenen Deutungen individuell aneignen. Wie wird die wechselvolle Geschichte in multikulturellen Regionen der Republik Moldau und der Ukraine aus moldauischer, ukrainischer oder russischer Perspektive erinnert? Und welche Sicht(en) auf die Geschichte des 20. Jahrhunderts haben die Mehrheit(en) und die ethnischen Minderheiten in der Ukraine, der Republik Moldau und weiteren Ländern der Östlichen Partnerschaft?