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Erinnerungskonflikte in der Ukraine, der Republik Moldau und Georgien

Das Vorhaben wird 2026 stattfinden. Es baut auf dem letztjährigen Projekt zum Umgang mit Zeugnissen aus der sowjetischen Vergangenheit in der Republik Moldau, Ukraine und Georgien auf und befasst sich mit dem Umgang mit Denkmälern, Mosaiken und anderen Gestaltungselementen aus sowjetischer Zeit, welcher in den drei beteiligten Ländern Gemeinsamkeiten, aber auch einige Unterschiede aufweist. Zu fragen ist hierbei sowohl nach Ursachen, Akteuren und Wirkungen von Konflikten um Erinnerungsorte als auch danach, wie sich Lehrende dazu positionieren.

Ausgangslage und Zielsetzung

In der Republik Moldau, Ukraine und Georgien haben sich die Erinnerungslandschaften durch die Neubewertung der Vergangenheit erheblich verändert. Konfliktpotential birgt vor allem der Umgang mit dem sowjetischen Erbe und die Darstellung des Zweiten Weltkriegs. Der erbitterte Streit um Denkmäler, um Gedenktage und Befreiung sowie um das Kriegsgedenken nach sowjetischer Tradition zeigt, wie groß die Gräben sind. Die Beispiele für Veränderungen sind zahlreich. In der Ukraine wurden auf Denkmälern die Bezeichnung des Krieges und die Jahreszahlen «1941-1945», die für den „Großen Vaterländischen Krieg“ stehen, durch «1939-1945» und „Zweiten Weltkrieg“ ersetzt. 2023 wurde der 8. Mai zum neuen offiziellen Gedenktag erklärt und mit der Mohnblüte ein Symbol des trauernden Gedenkens an die Opfer des Ersten und Zweiten Weltkriegs eingeführt. Die Sonnenblume hingegen wurde zu einem Symbol des Andenkens an die Verteidiger der Ukraine, die seit 2014 gegen die russische Invasion kämpfen. In der Republik Moldau wurde der 28. Juni 1940 zum Tag der sowjetischen Besatzung erklärt und am 6. Juli der Opfer des Stalinismus gedacht. Außerdem beschloss die moldauische Regierung, den 8. Mai als Tag der Erinnerung an die Opfer des Zweiten Weltkriegs einzuführen und den 9. Mai als Europatag zu begehen, was zu Spannungen mit Befürwortern der sowjetischen Feier des Siegestags führt. Die Neuformulierung von Gedenktagen und Erinnerungsnarrativen stellt bisherige Praktiken in Frage.

 

Der Prozess der so genannten „Dekolonisierung, Entkommunisierung und Entrussifizierung“ wurde vor allem in der Ukraine seit 2014 intensiviert. Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine hat diesen Prozess beschleunigt und sowohl die Erinnerungspolitik als auch das kollektive Gedächtnis und individuelle Erinnerungen verändert. Ungeachtet dessen sind im öffentlichen Raum der drei Länder zahlreiche Mahnmale und andere bildliche Darstellungen aus sowjetischer Zeit erhalten geblieben, von denen ein beträchtlicher Teil bereits umgewidmet oder verändert wurde. Eine Sonderstellung nehmen hierbei Mosaike ein, die aber nicht selten nationale Motive bzw. kreativ verschlüsselte Zeichen des Widerstandes gegen die Kommunistische Partei enthalten. Heute sind sie vor allem in der Ukraine als „sowjetisches Erbe“ und Relikte der Sowjetzeit von Vandalismus und Abriss bedroht oder werden im Krieg zerstört.

 

Mit dem Projekt soll eine kritische und reflektierte Auseinandersetzung mit den Erinnerungskonflikten und mit dem Umgang mit sowjetischen und nationalen Symbolen angestoßen werden. Der Ansatz bietet Dozierenden und Lehrkräften aus der Republik Moldau, der Ukraine und Georgien die Möglichkeit, einen differenzierten Blick auf aktuelle Erinnerungskulturen und historische Aufarbeitung der Vergangenheit zu werfen. Es wird das Ziel verfolgt, die gegenseitigen Positionen und Herangehensweisen an die jüngere Geschichte besser kennen und verstehen zu lernen sowie längerfristige Kooperationen in die Wege zu leiten und zu vertiefen, um eine ausgewogene Betrachtung historischer Geschehnisse zu ermöglichen und zu fördern. Außerdem wollen wir den Lehrkräften die Möglichkeit geben, eigene Erfahrungen auszutauschen sowie ihre Kenntnisse und ihre Perspektiven auf Erinnerungskonflikte zu vertiefen.

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01.01.-31.12.2026

Chişinău
Republik Moldau

Projektleitung

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Dr. Vasile Dumbrava

Gefördert durch

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