Vom 03. bis 10. August 2025 fand in Chișinău ein Workshop statt, an dem elf Geschichtslehrkräfte und teilnahmen, die an allgemeinbildenden Schulen und Hochschulen in Moldova und der Ukraine tätig sind. Das Projekt erfolgte in Zusammenarbeit mit der Moldauischen Staatlichen Universität (USM) und wurde vom Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) aus Mitteln des Auswärtigen Amts (AA) gefördert.
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Das Programm wurde von Dr. Peter Buschmann, Ständiger Vertreter, Botschaft der Bundesrepublik Deutschland in der Republik Moldau, Prof. Dr. Igor Șarov, Rektor der Moldauischen Staatlichen Universität, Dr. Valentina Olaru, Staatssekretärin, Ministerium für Bildung und Forschung sowie Dr. Vasile Dumbrava, stellvertretender Vorsitzender des Moldova-Instituts Leipzig (MIL), eröffnet.
Der Workshop umfasste Fachvorträge von ausgewiesenen Experten aus der Ukraine, der Republik Moldau und Deutschland, Präsentationen der Projektteilnehmer sowie Besuche noch existierender Erinnerungsorte aus sowjetischer Zeit sowie auch regionaler Geschichtsmuseen. Ein spezielles Augenmerk galt auch dem Umgang mit jüdischer Geschichte sowie der (Nicht-)Darstellung des Holocaust. Ein besonders markantes Beispiel ist der alte jüdische Friedhof im Dorf Volintiri, der durch die Entscheidung eines sowjetischen Beamten vollständig zerstört wurde. Auch in Sculeni wurde das Areal des jüdischen Friedhofs eingeebnet. An seiner Stelle wurde ein Kulturhaus errichtet, wobei die Grabsteine als Baumaterial verwendet wurden, was einer in der Sowjetunion gängigen Praxis entsprach.
Die Projektteilnehmer besuchten sowohl zahlreiche kleinere Ortschaften im erweiterten Umkreis von Chișinău als auch einige Bezirksstädte. In den Dörfern Mingir und Volintiri sowie in der Stadt Stefan Vodă erfuhren die Teilnehmer in Gesprächen mit den dortigen Bürgermeistern aus erster Hand von den Konflikten im Umgang mit dem sowjetischen Erbe und Errichtung neuer Denkmäler vor Ort. Einen bleibenden Eindruck hinterließen zudem die Besuche regionaler Museen, die sich in ihren Ausstellungen in jüngster Zeit verstärkt um die Darstellung der Hungersnöte und Verbrechen des Stalins-Regimes in Moldova widmen. Auch die von den teilnehmenden Lehrkräften präsentierten Fallbeispiele trugen zum intensiven Meinungsaustausch zu dem in den zwei Ländern teils unterschiedlichen Umgang mit der sowjetischen Vergangenheit bei. Alle Teilnehmer erklärten sich bereit, Studien für eine Sammelband vorzubereiten.
Im Rahmen eines durch den Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) geförderten Projekts führte das Moldova-Institut Leipzig vom 22. bis 29. Juni 2025 eine Sommerakademie durch, an der zwölf an Hochschulen und allgemeinbildenden Schulen tätige Geschichtslehrerinnen teilnahmen. Das Programm bestand einerseits aus Besuchen von Erinnerungsorten und anderen auf dem Gebiet der Geschichtsvermittlung tätigen Institutionen, die sich mit verschiedenen Etappen der deutschen Geschichte des 20. Jahrhunderts befassen, so etwa das Dokumentationszentrum Topographie des Terrors, die Gedenkstätte Haus der Wannseekonferenz sowie die Gedenkstätte Berliner Mauer in der Bernauer Straße, aber auch das mit der polnischen Geschichte befasste Pilecki-Institut. Hierbei wurden die jeweiligen, meist für Jugendliche und junge Erwachsene konzipierten Bildungsangebote vorgestellt und von den Teilnehmerinnen selbst erprobt.
In Expertenvorträgen und Workshopeinheiten wurden andererseits didaktische Fragen zu Auswahl von bildlichen (meist fotografischen) Darstellungen sowie zu Möglichkeiten und Risiken ihres Einsatzes im Geschichtsunterricht erörtert. Prof. Dr. Susanne Popp von der Universität Augsburg setzte sich in ihrem Vortrag mit den in europäischen Schulgeschichtsbüchern gängigsten bildlichen Darstellungen auseinander, während Christine Bartlitz vom Leibniz-Zentrum für angewandte Zeitforschung Potsdam (ZZF) mit den Teilnehmerinnen ethische Fragen bei der Auswahl von Bildmaterial diskutierte. Die Präsentationen der Teilnehmerinnen umfassten sowohl Fotos von Schlüsselmomenten der aktuellen oder jüngeren Geschichte Moldovas, der Ukraine und Georgiens, aber auch Alltagsaufnahmen aus der gemeinsamen sowjetischen Vergangenheit und boten Anlass zu angeregten und teils auch emotionalen Diskussionen.
Der zweitägige Aufenthalt bei unserem Kooperationspartner, dem Leibniz-Institut für Bildungsmedien in Braunschweig, beinhaltete neben der individuellen Recherche in der institutseigenen Bibliothek auch Workshopeinheiten zum Umgang mit digitalen Formaten im Geschichtsunterricht sowie einen umfassenden Fachvortrag von Dr. habil. Barbara Christophe, stellvertretende Leiterin der Abteilung mediale Transformation, zu neueren Formen bildlicher Quellen, hierbei vor allem die im Ukrainekrieg verstärkt zum Einsatz kommenden Memes.
Vom 4. bis 9. Mai fand in Leipzig, Berlin und Potsdam der erste Workshop im Rahmen des Projekts "Begriffsgeschichte und die diskursive Konstruktion von Räumen, Krisen und Identitäten in der Republik Moldau" statt, das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert wird. Hieran nahmen acht Hochschullehrer von der Moldauischen Staatlichen Universität (USM) teil, unter ihnen der Rektor der USM, Prof. Dr. Igor Șarov.

Es war für uns eine Ehre, den Botschafter der Republik Moldau, S.E. Areliu Ciocoi, zur Eröffnung und zum ersten Seminartag begrüßen zu können. Mit Prof. Dr. Falko Schmieder, Leiter des Projekts „Das 20. Jahrhundert in Grundbegriffen“ am Zentrum für Literatur- und Kulturforschung Berlin (ZfL), und Prof. Dr. Rüdiger Graf, Leiter der Abteilung Wissen – Wirtschaft – Politik am Leibniz-Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam (ZZF), konnten zudem namhafte Experten auf dem Gebiet der Begriffsgeschichte als Referenten gewonnen werden.Â

Der Projektleiter Dr. Vasile Dumbrava eröffnete den Workshop, gefolgt von Prof. Dr. Dr. h.c. Klaus Bochmann mit einem Einführungsvortrag zur Bedeutung und Methoden der Begriffsgeschichte. Im Mittelpunkt der Diskussionen im Rahmen des Workshops standen Grundbegriffe, die die politische Sprache, Wahrnehmungen, Erwartungen sowie konkrete gesellschaftliche Handlungen der Bevölkerung in der Republik Moldau prägen. Es war uns wichtig, die moldauischen Historiker hierzu in einen Dialog untereinander und mit deutschen Fachkolleg*innen zu bringen und sie mit theoretischen Grundlagen und Methoden der Begriffsgeschichte vertraut zu machen, die sowohl als geschichtswissenschaftliche Methode als auch als Instrument zum Eingreifen in die politischen Diskurse in der moldauischen Gesellschaft dienen kann.Â

Die nächsten Projektmaßnahmen finden im September und Oktober in Chișinău statt.










































