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Internationaler Austausch zu historischer Semantik, politischer Sprache und gesellschaftlichen Transformationsprozessen

Logo Projekt Begriffsgeschichte

Vom 24. bis 27. Februar 2026 fand in Leipzig der internationale Workshop „Begriffsgeschichte und die diskursive Konstruktion von Räumen, Krisen und Identitäten in der Republik Moldau“ statt. Die Veranstaltung, die mit einer Förderung durch das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) realisiert werden konnte, wurde vom Moldova-Institut Leipzig in Zusammenarbeit mit der Moldauischen Staatlichen Universität organisiert und brachte Wissenschaftler aus Deutschland und der Republik Moldau zusammen.

Nach der Anreise der Teilnehmer begann das wissenschaftliche Programm am 25. Februar mit einer Begrüßung durch Prof. Dr. Dr. h.c. Klaus Bochmann, Prof. Dr. Igor Șarov und Dr. Vasile Dumbrava. In mehreren Vorträgen wurden zentrale politische und gesellschaftliche Begriffe im Kontext der Geschichte und Gegenwart der Republik Moldau analysiert, darunter „Terror“, „Dekolonialisierung“, „Transition“ sowie Fragen des Umgangs mit Geschichte. Ergänzend dazu wurden methodische Aspekte der Begriffsgeschichte und der historischen Semantik diskutiert.

Foto Workshop Projekt Begriffsgeschichte

Ein Exkursionstag führte die Teilnehmer nach Weimar, wo eine thematische Stadtführung sowie der Besuch des Goethe-Nationalmuseums auf dem Programm standen. Die wissenschaftlichen Präsentationen wurden anschließend in Leipzig fortgesetzt und in einer gemeinsamen Abschlussdiskussion ausgewertet.

Der Workshop bot eine wichtige Plattform für den wissenschaftlichen Austausch über politische Sprache und historische Semantik in Osteuropa und stärkte zugleich die Zusammenarbeit zwischen den beteiligten Institutionen. Die Organisatoren zogen eine positive Bilanz: Die Veranstaltung habe gezeigt, wie fruchtbar der internationale Austausch über politische Begriffe und ihre historischen Bedeutungswandel für das Verständnis aktueller gesellschaftlicher Entwicklungen sein kann. Es wurde jedoch ebenso deutlich, dass ein gemeinsames Verständnis dessen, was Begriffsgeschichte ausmacht und welchen erkenntnistheoretischen Fokus sie hat, noch weiter entwickeln werden muss. Gerade hierzu diente jedoch der Workshop. Zudem zeigte sich die Notwendigkeit, die zu untersuchenden und untersuchten Begriffe stärker im Hinblick auf ihren Stellenwert als „Grundbegriffe“ zu prüfen, die seit dem Ende der Sowjetunion zudem eine erhebliche Bedeutungsverschiebung erfahren haben. Von besonderem Interesse sind für die beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler jene Begriffe, die sowohl in Deutschland als auch in Moldau diese Kriterien erfüllen. Ihnen werden sich deutsch-moldauische Forschergruppen künftig gemeinsam widmen.

Programm herunterladen:


Vom 03. bis 10. August 2025 fand in Chișinău ein Workshop statt, an dem elf Geschichtslehrkräfte und teilnahmen, die an allgemeinbildenden Schulen und Hochschulen in Moldova und der Ukraine tätig sind. Das Projekt erfolgte in Zusammenarbeit mit der Moldauischen Staatlichen Universität (USM) und wurde vom Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) aus Mitteln des Auswärtigen Amts (AA) gefördert.

 

Das Programm wurde von Dr. Peter Buschmann, Ständiger Vertreter, Botschaft der Bundesrepublik Deutschland in der Republik Moldau, Prof. Dr. Igor Șarov, Rektor der Moldauischen Staatlichen Universität, Dr. Valentina Olaru, Staatssekretärin, Ministerium für Bildung und Forschung sowie Dr. Vasile Dumbrava, stellvertretender Vorsitzender des Moldova-Instituts Leipzig (MIL), eröffnet.

Der Workshop umfasste Fachvorträge von ausgewiesenen Experten aus der Ukraine, der Republik Moldau und Deutschland, Präsentationen der Projektteilnehmer sowie Besuche noch existierender Erinnerungsorte aus sowjetischer Zeit sowie auch regionaler Geschichtsmuseen. Ein spezielles Augenmerk galt auch dem Umgang mit jüdischer Geschichte sowie der (Nicht-)Darstellung des Holocaust. Ein besonders markantes Beispiel ist der alte jüdische Friedhof im Dorf Volintiri, der durch die Entscheidung eines sowjetischen Beamten vollständig zerstört wurde. Auch in Sculeni wurde das Areal des jüdischen Friedhofs eingeebnet. An seiner Stelle wurde ein Kulturhaus errichtet, wobei die Grabsteine als Baumaterial verwendet wurden, was einer in der Sowjetunion gängigen Praxis entsprach.

Die Projektteilnehmer besuchten sowohl zahlreiche kleinere Ortschaften im erweiterten Umkreis von Chișinău als auch einige Bezirksstädte. In den Dörfern Mingir und Volintiri sowie in der Stadt Stefan Vodă erfuhren die Teilnehmer in Gesprächen mit den dortigen Bürgermeistern aus erster Hand von den Konflikten im Umgang mit dem sowjetischen Erbe und Errichtung neuer Denkmäler vor Ort. Einen bleibenden Eindruck hinterließen zudem die Besuche regionaler Museen, die sich in ihren Ausstellungen in jüngster Zeit verstärkt um die Darstellung der Hungersnöte und Verbrechen des Stalins-Regimes in Moldova widmen. Auch die von den teilnehmenden Lehrkräften präsentierten Fallbeispiele trugen zum intensiven Meinungsaustausch zu dem in den zwei Ländern teils unterschiedlichen Umgang mit der sowjetischen Vergangenheit bei. Alle Teilnehmer erklärten sich bereit, Studien für eine Sammelband vorzubereiten.


Im Rahmen eines durch den Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) geförderten Projekts  führte das Moldova-Institut Leipzig vom 22. bis 29. Juni 2025 eine Sommerakademie durch, an der zwölf an Hochschulen und allgemeinbildenden Schulen tätige Geschichtslehrerinnen teilnahmen. Das Programm bestand einerseits aus Besuchen von Erinnerungsorten und anderen auf dem Gebiet der Geschichtsvermittlung tätigen Institutionen, die sich mit verschiedenen Etappen der deutschen Geschichte des 20. Jahrhunderts befassen, so etwa das Dokumentationszentrum Topographie des Terrors, die Gedenkstätte Haus der Wannseekonferenz sowie die Gedenkstätte Berliner Mauer in der Bernauer Straße, aber auch das mit der polnischen Geschichte befasste Pilecki-Institut. Hierbei wurden die jeweiligen, meist für Jugendliche und junge Erwachsene konzipierten Bildungsangebote vorgestellt und von den Teilnehmerinnen selbst erprobt.

In Expertenvorträgen und Workshopeinheiten wurden andererseits didaktische Fragen zu Auswahl von bildlichen (meist fotografischen) Darstellungen sowie zu Möglichkeiten und Risiken ihres Einsatzes im Geschichtsunterricht erörtert. Prof. Dr. Susanne Popp von der Universität Augsburg setzte sich in ihrem Vortrag mit den in europäischen Schulgeschichtsbüchern gängigsten bildlichen Darstellungen auseinander, während Christine Bartlitz vom Leibniz-Zentrum für angewandte Zeitforschung Potsdam (ZZF) mit den Teilnehmerinnen ethische Fragen bei der Auswahl von Bildmaterial diskutierte. Die Präsentationen der Teilnehmerinnen umfassten sowohl Fotos von Schlüsselmomenten der aktuellen oder jüngeren Geschichte Moldovas, der Ukraine und Georgiens, aber auch Alltagsaufnahmen aus der gemeinsamen sowjetischen Vergangenheit und boten Anlass zu angeregten und teils auch emotionalen Diskussionen.

Der zweitägige Aufenthalt bei unserem Kooperationspartner, dem Leibniz-Institut für Bildungsmedien in Braunschweig, beinhaltete neben der individuellen Recherche in der institutseigenen Bibliothek auch Workshopeinheiten zum Umgang mit digitalen Formaten im Geschichtsunterricht sowie einen umfassenden Fachvortrag von Dr. habil. Barbara Christophe, stellvertretende Leiterin der Abteilung mediale Transformation, zu neueren Formen bildlicher Quellen, hierbei vor allem die im Ukrainekrieg verstärkt zum Einsatz kommenden Memes.


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